Meine Güte, wie oft habe ich in meinem Leben schon von anderen gehört: irgendwann schreibe ich mal ein Buch. Das wollte ich ja schon immer mal machen. Ich habe ja so viele Ideen. Und man kann sich denken, was daraus geworden ist. Dabei ist es rein theoretisch so einfach. Nimm ein Blatt, nimm einen Stift. Schreibe jeden Tag eine Seite. In einem halben Jahr ist dein Buch fertig. Ja gut, so einfach ist die Sache ja auch nicht. Aber theoretisch schon.

Dieser kleine Lehrgang soll dir Mut machern, den ersten Schritt zu tun.

Als ich die Idee für eine Schreibwerkstatt im Rahmen einer Selbsthilfe-Gruppe (zu einem ganz anderen Thema) hatte, dachte ich daran, dass alle in einem Raum zusammen säßen und man von Anfang an gemeinsam gehen könnte. Ich hatte die Möglichkeit nicht bedacht, dass einigeTeilnehmer erst mit der Zeit dazukommen. Dass man den Anfang immer wiederholen muss. Weil das nicht geht, auch wegen der schon Fortgeschrittenen, habe ich angefangen diesen Text zu schreiben. Damit jeder Dazugekommene den gleichen Anfang hat und etwas über meine Philosophie des Schreibens erfährt, des Text-Werdens und des Abschiednehmens von einem Text, wenn er frei ist, um alleine in die Welt zu gehen. Es ist lediglich meine Sicht der Dinge. Du darfst und du solltest zu eigenen Erkenntnissen kommen. Bevor du zu sehr grübelst: hier schnell mein erster Ansatz:

Was heißt eigentlich „Schreiben“?

Schreiben heißt, seine Gedanken zu Papier zu bringen.

Das ist unabhängig davon, um welche Art von Text es sich handelt. Sience-Fiction, Gedichte oder Problem Schreibe, Katzengedichte, oder ein Kochbuch.

Lesen heißt, den Gedanken des Schriftstellers zu folgen.

Wenn man das zusammenfasst, dann schreibst du also die Gedanken deiner Leser.

Warum Schreiben?

Ein Freund von mir, fragte mich vor vielen Jahren einmal, warum ich so viel Zeit und Geld in die Fotografie stecken würde. Es gäbe doch schon so viele Bilder. Man könne doch alles kaufen und bräuchte das nicht selber machen. Das gab mir eine Zeitlang zu denken. Eine kurze Zeit, denn ich wurde mir bewusst und das hatte er nicht bedacht: Ich fotografierte einfach gerne. Ich schreibe einfach gerne. Man sieht sofort ein Ergebnis. Man kann den Text sofort lesen oder an jemanden weitergeben. Sich damit weiter beschäftigen. Den Text verfeinern. Es ist so erstaunlich, was in meinem kleinen Hirn an Geschichten verborgen ist. Und welche Bilder ich sehe, die niemand um mich herum sieht und die ich beschreibe (oder fotografiere). Also, was soll diese Frage überhaupt?

Wenn du schreiben willst, schreibe! Mache! Bewege die Welt! Bringe Menschen zum Lachen! Oder zum Weinen! Auch das Geschwätz meines damaligen Freundes hat mich nicht abgehalten weiter zu machen. Auch du wirst wissen, warum du schreibst, oder schreiben möchtest. Vielleicht ist es dein Kummer, der in eine kleines Notizbuch gepresst gehört und dort besser aufgehoben ist, als in deinem Kopf. Du hast kleine Geschichten im Kopf? Schreibe! Du kannst Menschen zum Lachen bringen? Wie Wundervoll! Schreibe!

Schreibe alles erst einmal für dich. Lass deine Texte erwachsen werden. Lass sie reifen. Gib ihnen Zeit. Schreibe mehr! Schreibe viel mehr! Schreibe drauflos! Schreibe irgendetwas! Das gibt dir Sicherheit. Nach einiger Zeit kannst du aus deinen Texten wählen und auf einige zeigen, die prachtvoll geworden sind. Dann kannst du dir auch leisten, einige zu verwerfen. Viele Texte zu haben bedeutet auch, nicht mehr nur wenige beschützen zu müssen.

Wer hindert dich am Schreiben? >>>